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Mikro- und Makrodynamiken des Übergangs zu Covid-19 Forschung

Der plötzlich entstehende Bedarf an wissenschaftlichen Problemlösungen im Zuge der Covid-19 Pandemie hat zu einem massenhaften gleichzeitigen Übergang zahlreicher Forscher*innen zu neuen Forschungsthemen geführt. Dieser Übergang wurde durch zahlreiche Maßnahmen der Forschungsförderung unterstützt. Zugleich wird ein großer Zeitdruck wahrgenommen, d.h. die Notwendigkeit einer bald möglichen Erzeugung und möglichst raschen Kommunikation von corona-relevanten Beiträgen. Diese beiden Faktoren haben eine Extremsituation erzeugt, deren Studium sowohl ein tieferes Verständnis der Mikro- und Makrodynamiken der Forschung als auch forschungspolitische Schlussfolgerungen zur Forschungsförderung ermöglicht.

Eine Forschungsfrage bezieht sich daher auf die Mikro- und eine auf die Makroebene. Erstere fragt nach dem Erfolg dieses Übergangs, und ob dieser von der “epistemischen Distanz” von vergangener Forschung und aktueller Covid-19-Forschung abhängt.

Epistemische Distanz

Mikrodynamiken: Wie beeinflusst die epistemische Distanz der vor dem Übergang durchgeführten Forschung zur Covid-19-Forschung die Dauer, die Richtung und den Erfolg des Übergangs?

Grundlagen

Um die epistemische Distanz zweier Forschungsinhalte zu messen, müssen die Forschungsinhalte in einem “Raum” verortet werden, wo es Distanzen geben kann, und das Maß muss mehrdimensional sein, da epistemische Distanz bei der Vielschichtigkeit von Forschung als eindimensionale Größe nicht aussagekräftig genug ist.

Forschung, welche mit der gleichen oder einer ähnlichen Methode, oder dem gleichen oder einem ähnlichen Objekt durch geführt wird, kann als weniger epistemisch distant angesehen werden in diesen Dimensionen, als wenn Methode bzw. Objekt komplett verschieden sind.

Ansatz

Da Forscher*innen typischerweise das Forschungsobjekt und die verwendete Methode im Titel oder Abstract der Publikation bzw. Preprint erwähnen, können diese dafür in unserer Analyse verwendet werden, um die Inhalte automatisiert zu charakterisieren. Die extrahierten Phrasen aus dem Text werden dann in einem biomedizinischen Thesaurus (MeSH) projiziert, welcher einem hierarchischen Aufbau von Termen entspricht. Diesen Thesaurus nutzen wir, um die Distanzen von Methoden und Objekten von verschiedenen Forschungsinhalten zu bestimmen.

Als Software nutzen wir unter anderem Metamap, welche das Mapping aus den Texten von Preprints und Veröffentlichungen zu MeSH-Termen übernimmt.

Neue Kommunikationskanäle

Makrodynamiken: Wie beeinflussen die massenhaften gleichzeitigen Übergänge von Forscher*innen auf Covid-19-Forschung die Entwicklungsdynamiken der Fachgebiete?

Der Bedarf die Forschung und dessen Kommunikation zu beschleunigen – besonders in Bereichen der Forschung im Bezug auf die Pandemie – hat die Art verändert, wie Forschungsergebnisse publiziert werden. Eine der bedeutendsten Veränderungen ist die rasche Entwicklung der Preprints, d.h. wissenschaftliche Publikationen, welche nicht den Peer-Review Prozess durchlaufen haben. Preprints stellen vorläufige Forschungsergebnisse dar und werden auf online auf separaten Archiven veröffentlicht.

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass die Anzahl der Preprints mit Bezug zu COVID-19 schneller wächst als die Anzahl von Preprints in anderen biomedizinischen Feldern. Außerdem benötigen erstere Preprints weniger Zeit, bis sie als wissenschaftlicher Artikel erscheinen. Unsere Forschung betrachtet wie sich wissenschaftliche Kommunikationskanäle ändern unter dem raschen Anstieg von Preprints mit Bezug zu COVID-19.

Dabei betrachten wir Preprints am Beispiel der Immunologie und untersuchen die Nutzung (d.h. die Praxis des Zitierens) dieser Preprints in wissenschaftlichen Artikeln mit Bezug zu COVID-19 im Vergleich zur Nutzung von sonstigen Preprints.

Weitere Informationen zu den Projekten der Gruppe finden sie hier.

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